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Soziale Kompetenz

engl: social competence

Sammelbegriff für die Gruppe von Kompetenzen, die eine erfolgreiche Interaktion und Kommunikation mit anderen Menschen ermöglichen.
Eine sozial kompetente Person hat die Möglichkeit andere sowie soziale Situationen im eigenen Sinne zu beeinflussen.

Photo soziale Kompetenz im Gespräch

Auf den meisten Positionen hängt der Erfolg, neben fachlichen Kompetenzen, stark davon ab, wie man mit Kunden, Vorgesetzten, Schnittstellenpartnern, Kollegen und Mitarbeitern kommuniziert, Konflikte bewältigt, überzeugt und in Teams kooperiert. Daher haben soziale Kompetenzen sowohl bei der Personalauswahl, der Analyse von Potenzialen, beim Talent Management und bei der Personalentwicklung einen sehr hohen Stellenwert.

Das Konstrukt soziale Kompetenz hat einen breiten Bedeutungsumfang, es umfasst viele Facetten und es ist mehrdimensional. Eine Dimension ist beispielsweise die Spezifität oder das Abstraktionsniveau der Teilkompetenz: Am spezifischen Pol dieser Dimension liegen „molekulare“ Verhaltensweisen wie Lächeln, Fragen stellen, lautes Sprechen usw. Am abstrakten Pol liegen Fähigkeiten wie die Verhandlungsführung, oder die Fähigkeit, Kundenbeziehungen aufzubauen. Bastians & Kluge (1998) plädieren dafür, soziale Kompetenzen mittlerer Spezifität zu betrachten und verschiedene Arten "sozialer Aufgaben" (Situationstypen) zu unterscheiden:

Teilfähigkeiten sozialer Kompetenzen

1. Soziale Wahrnehmungskompetenzen

Soziale Wahrnehmung ist der erste Schritt sozial kompetenten Verhaltens. Soziale Wahrnehmungskompetenzen bezeichnen die Fähigkeit, Situationen und Personen bezogen auf das persönliche Ziel angemessen wahrzunehmen und relevante Signale korrekt zu interpretieren. Dies umfaßt:

  • frühzeitig und sensibel alle relevanten Signale der Situation und der an ihr beteiligten Personen zu erkennen und einzuschätzen

2. Eigenes Selbst- und Stimmungsmanagement

Eigenes Selbst- und Stimmungsmanagement bezeichnen die Fähigkeit, eigene Stimmungen und Emotionen wahrnehmen, steuern und ggf. situationsangemessen ausdrücken zu können. Dies umfaßt:

  • eigene Positionen hinterfragen zu können
  • eigene negative Stimmungen (Ärger, Streß, Frustration, Langeweile) nicht auf andere Situationen zu übertragen
  • auch bei negativen eigenen Stimmungen und in Belastungssituationen (z.B. Streß) aufgabenorientiert zu handeln und sich zuverlässig und konsistent zu verhalten

3. Aktive Rolle

Die aktive Rolle übernehmen zu können, bezeichnet die Fähigkeit, von sich aus die Initiative zu ergreifen und eigene Meinungen und Interessen anderen gegenüber aktiv durchsetzen zu können. Dies umfaßt:

  • die eigene Meinung und eigene Wünsche zu äußern
  • die eigene Meinung / Interessen anderen gegenüber durchzusetzen
  • sich einzubringen
  • "Nein" sagen zu können

4. Kommunikationsfähigkeit

Kommunikationsfähigkeit bezeichnet die Fähigkeit, sich auf verbaler und nonverbaler Ebene verständlich auszudrücken und Signale angemessen zu interpretieren. Dies umfaßt:

  • inhaltliche und sprachliche Verständlichkeit (Prägnanz, Kürze, Gliederung, logischer Aufbau), insbesondere bei freier Rede
  • Sprachtempo, Lautstärke, Gestik, Mimik und Blickkontakt angemessen einzusetzen
  • Gespräche zu beginnen, aufrechtzuerhalten und zu beenden
  • zuzuhören und nicht zu unterbrechen
  • Inhaltsaspekte und Gefühlsaspekte von Nachrichten zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren

5. Konflikt- und Kritikfähigkeit

Konflikt- und Kritikfähigkeit bezeichnen die Fähigkeit, situationsangemessen mit Konflikten umzugehen sowie Kritik äußern und annehmen zu können. Dies umfaßt:

  • Konflikte wahrzunehmen
  • Konflikte bezogen auf die eigenen Ziele einzuschätzen und
  • Konflikte anzugehen (ansprechen, lösen, ertragen, für nicht bedeutsam erklären und den Konflikt ggf. schwelen lassen)
  • Kritik zu äußern
  • Kritik anzunehmen
  • Fehler einzugestehen und sich ggf. zu entschuldigen

6. Beziehungsmanagement

Beziehungsmanagement bezeichnet die Fähigkeit, soziale Kontakte zu anderen aufzunehmen, aufrechtzuerhalten und gegebenenfalls zu vertiefen bzw. abzubrechen. Dies umfaßt:

  • offen über eigene Gefühle und Interessen/ Absichten zu sprechen
  • Gefühle anderer zu bemerken, nachzuempfinden und ggf. zu äußern (Empathie)
  • Akzeptanz / Toleranz von anderen und deren Meinungen und Gefühlen
  • den Standpunkt und die Gefühle anderer zu berücksichtigen
  • zu loben und Lob akzeptieren zu können
  • auch unangenehme Themen anzusprechen

7. Teamkompetenzen

Teamkompetenzen bezeichnen die Fähigkeit, aufgaben- und zielorientiert mit den Mitgliedern der Gruppe zu kooperieren. Das heißt auch, Prozesse in einem Team zu steuern und voranzutreiben. Dies umfaßt:

  • den zielorientierten gegenseitigen Austausch von Informationen
  • das Anbieten und Akzeptieren von Hilfe
  • sich selbst und andere in das Team zu integrieren
  • sich bei der Erfüllung einer Aufgabe mit den Teammitgliedern abzustimmen
  • das Ergebnis der Teamarbeit als gemeinschaftlich erbrachte Leistung darzustellen

8. Führungskompetenzen

Führungskompetenzen bezeichnen Kompetenzen sowohl im Umgang mit einzelnen Mitarbeitern (m/w) als auch in der Interaktion mit Gruppen. Die einzelnen Mitarbeiter müssen ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie ihrem Bedürfnisstand entsprechend konstruktiv angeleitet und betreut werden. In Gruppensituationen bezeichnen Führungskompetenzen die Fähigkeit, Gruppen konstruktiv und produktiv anzuleiten und zu betreuen und das Teamklima und die Teamdynamik zu verbessern.(Die Beobachtung von Führungskompetenzen setzt Interaktionen voraus, in denen zwischen den Interaktionspartnern eindeutige Hierarchien existieren.) Dies umfaßt:

  • Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen und damit umgehen und dafür geradezustehen
  • angemessen Feedback geben zu können
  • klare Absprachen zu treffen
  • Aufgaben zu delegieren
  • MitarbeiterInnen entsprechend ihren Fähigkeiten zu fordern und fördern
  • Informationsprozesse und die Kommunikation im Team zu fördern und eine Kommunikationskultur zu pflegen


Eine von Kanning (2009) vorgeschlagene Systematik der sozialen Kompetenzen besteht aus vier übergeordneten sozialen Kompetenzen (Faktoren) die insgesamt 17 soziale Kompetenzen zusammenfassen:

1. Soziale Orientierung

1.1 Prosozialität
1.2 Perspektivenübernahme
1.3 Wertepluralismus
1.3.1 Kompromissbereitschaft
1.3.2 Zuhören

2. Offensivität

2.1 Durchsetzungsfähigkeit
2.2 Konfliktbereitschaft
2.3 Extraversion
2.4 Entscheidungsfreudigkeit

3. Selbststeuerung

3.1 Selbstkontrolle
3.2 Emotionale Stabilität
3.3 Handlungsflexibilität
3.4 Internalität

4. Reflexibilität

4.1 Selbstdarstellung
4.2 Direkte Selbstaufmerksamkeit
4.3 Indirekte Selbstaufmerksamkeit
4.4 Personenwahrnehmung

Einen dritten Vorschlag zur Systematik berufsbezogener sozialer Kompetenten finden Sie als Teilmenge unserer Kompetenzsystematik.


Fazit: Eine Arbeitsdefinition des Konstruktes soziale Kompetenz zu finden ist nicht einfach und sollte sich immer an den gegebenen Aufgaben und diagnostischen Fragestellungen orientieren!

Messen lassen sich soziale Kompetenzen am besten durch soziale Aufgaben, Arbeitsproben und Rollensimulationen.
Zum Training sozialer Kompetenzen eignen sich insbesondere Rollensimulationen mit Videofeedback sowie Techniken der Verhaltensmodellierung.


siehe auch:
Kompetenzsystematik
Kompetenz
Kriterium
Kompetenzmodell
Anforderungsprofil


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Literatur:
Kanning, U. P. (2009). Inventar sozialer Kompetenzen (ISK). Göttingen: Hogrefe.
Fragebogen zur Selbstbeschreibung der eigenen sozialen Kompetenzen.
Bastians, F. & Kluge, S.(1998). Diagnose sozialer Kompetenzen. Entwicklung eines multimedialen Diagnosesystems zur Erfassung sozialer Kompetenzen. http://www.psycho.uni-osnabrueck.de/~runde/dsp/sk.htm (2010-07-01)


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