Rolle

engl: role

Aus der Soziologie stammender Begriff für die Summe der Erwartungen anderer Personen, die diese an den Inhaber einer Rolle stellen.

Jede Position in einem Unternehmen ist meist mit mehreren Rollen verbunden (s.u.). Die Erwartungen können sich beziehen auf das von außen sichtbare Erscheinungsbild oder Verhalten sowie auf Einstellungen, Wertorientierungen oder Überzeugungen. Der Verbindlichkeitsgrad der Erwartungen kann unterschiedlich sein und es lassen sich demgemäß Muss-, Soll- sowie Kann-Erwartungen unterscheiden.

Funktion:

Rollen können dem einzelnen deutlich machen, was er in welchem sozialen Kontext zu tun hat, somit Orientierung bieten und dadurch das Leben erleichtern. Sie können aber auch die menschliche Freiheit beschränken. Rollen erleichtern das Funktionieren von Gruppen und schaffen Bindung an die Gruppe. Die Rollendifferenzierung ist ein Beschreibungsmerkmal für Gruppen und Organisationen.
Die Erwartungen, die innerhalb einer Gruppe von verschiedenen anderen Gruppenmitgliedern an einen Rolleninhaber gestellt werden, können sich widersprechen und damit zu Rollenkonflikten führen. Auch aus einer anderen Gruppe können unvereinbare Erwartungen an einen Rolleninhaber gestellt werden. Da die meisten Menschen Mitglied in verschiedenen Gruppen sind, sind Rollenkonflikte häufig. Derartige Rollenkonflikte erfolgreich zu bewältigen, ist eine wichtige soziale Kompetenz.

Für Führungspositionen hat Mintzberg (1973) zehn allgemeine Rollentypen beschrieben, die diese in unterschiedlichem Ausmaß wahrzunehmen haben. U.a.:

Rolle Assessment-Baustein
Vorgesetzter Mitarbeitergespräch
Vernetzer,
Koordinator
Teammoderationsübung
Radarschirm Fact-Finding-Aufgabe
Informationsverteiler,
Sender
Management Fallstudie
Repräsentant,
Sprecher
Präsentation
Krisenmanager,
Problemlöser
Management-Fallstudie
Ressourcenzueiler Management-Fallstudie
Innovator Entwicklungsaufgabe
Verhandlungsführer Verhandlung,
Abteilungsleiter-Meeting

Barrett & Beeson (2002) benennen nach einer Metaanalyse für 2010 zudem folgende erfolgskritische Rollen für Führungskräfte:

  • Strategieführer
  • Veränderungsmanager
  • Beziehungs- und Netzwerkmanager
  • Talententwickler

Aus psychologischer Sicht ist ergänzend bedeutsam, dass die von außen kommenden Erwartungen auf für die einzelne Persönlichkeit spezifische Art erfahren, wahrgenommen und interpretiert werden. Ihre Umsetzung in Verhalten hängt zudem von den Motiven und insbesondere den sozialen Kompetenzen des Individuums ab.

Das Konzept der Rolle ist im Rahmen der Anforderungsanalyse gut dazu geeignet, an schnelle Veränderungen im Unternehmen angepasst, aktuelle sowie neue Erwartungen und Anforderungen an einen Positionsinhaber zu beschreiben. Es impliziert mehr als andere Konzepte zur Beschreibung von Anforderungen, dass der Positionsinhaber die an ihn gestellten Erwartungen kreativ interpretieren und selbstorganisiert im Sinne einer "organizational citizenship" handhaben kann.

siehe auch: Rollensimulation, Rollenspiel, Assessment

Literatur:

Barrett, A. & Beeson,J. (2002). Developing business leaders for 2010. New York: The Conference Board.
Mintzberg, H. (1973). The nature of managerial work. New York : Wiley and Sons.


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