Antworttendenzen
engl. response sets
Neigung befragter Personen, in eine bestimmte Richtung zu antworten, die nicht immer der Realität entspricht.
Befragte beantworten Fragen nicht immer nur gemäß der mit der Frage zu messenden
Eigenschaft. Regelmäßig wird die Antwort auch von anderen, unerwünschten Faktoren
beeinflusst. Diese Faktoren liegen entweder in den Einstellungen, Vorannahmen und Erwartungen der Testperson
oder in den Eigenheiten der Frage, der Fragenabfolge, des Interviews oder des Fragebogens.
-> Beispiele
-> Gegenmaßnahmen
Man unterscheidet zwei Arten von Antworttendenzen:
1. Formale Antworttendenzen
werden vor allem bei Fragebogen relevant. Durch die Gestaltung der Antwortmöglichkeiten und
Antwortskalen können bestimmte Antworten prädestiniert werden.
2. Inhaltliche Antworttendenzen
werden durch den Inhalt der Frage, die Abfolge der Fragen, ihre Einbettung, die Einleitung, den
ganzen Fragebogen oder den Befragungskontext verursacht.
1. Beispiele für formale Antworttendenzen
Ja-sage-Tendenz oder Akquieszenz
Neigung, Fragen unabhängig von deren Inhalt zuzustimmen.
Tendenz zur Mitte:
Neigung einer Person, extreme Antworten zu vermeiden. Meist haben extreme Bewertungen gravierendere Konsequenzen. Vor allem wenn die Informationslage nicht vollständig oder unsicher ist, werden extreme Urteile gemieden, weil man nicht die Verantwortung übernehmen möchte. Weitere Ursachen für die Tendenz zur Mitte sind neben Unsicherheit auch Unkenntnis oder der Unwille, die tatsächliche Einstellung zu offenbaren.
Tendenz zu extremen Urteilen
Diese Neigung tritt vor allem bei der Beantwortung von Fragebogen auf. Es werden vorwiegend die äußeren Kategorien der Antwort- oder Ratingskala gewählt.
Positionseffekte
Bestimmte Items oder Fragen werden je nach ihrer Position in einem Fragebogen oder einem Interview unterschiedlich beantwortet. Zu beginn einer Fragenfolge kann z. B. noch vorhandenes Instruktionsverständnis zu einer anderen Atwort führen. Zum Ende können Ermüdungseffekte die Antworten beeinflussen.
2. Beispiele für inhaltliche Antworttendenzen
Tendenz, sozial erwünscht zu antworten
Befragte wählen die Antworten, von denen sie annehmen, dass sie besonders erwünscht sind. Dadurch wollen sie im Sinne des Eindrucks-Managements z. B. mehr Sympathie anderer gewinnen oder sich als qualifiziert darstellen. Mit der Tendenz, sozial erwünscht zu antworten, muss vor allem dann gerechnet werden, wenn die Ergebnisse und Konsequenzen einer Testung, eines Assessments oder einer Bewertung für die Person sehr wichtig sind. Dies ist regelmäßig in Bewerbungssituationen der Fall.
Simulation
Hier ist das Vortäuschen von (krankheits-)Symptomen gemeint. Der Grund liegt meist darin, dass sich die Testperson Vorteile oder die Vermeidung negativer Konsequenzen erhofft.
Dissimulation
Verschweigen oder Bagatellisieren seelischer oder körperlicher Erkrankungen oder sonstiger Syptome.
Z. B. bei einer Untersuchung im Auftrag einer Versicherungsgesellschaft oder bei einer Flugtauglichkeitsuntersuchung.
Gegenmaßnahmen
Entsprechende Hinweise in der Instruktion/ Einleitung
In der Instruktion eines Fragebogens wie in der Einleitung eines Interviews kann man viel tun, um den Befragten gut zu motivieren, Ängste zu nehmen, Verständnis zu erreichen und so das Auftreten von Antworttendenzen möglichst unwahrseinlich werden zu lassen.
Motivierende Gestaltung des Fragebogens
Adäquate Gestaltung des Antwortformates
Raingskalen mit einer geraden Anzahl von Antwortmöglichkeiten sind hier besser geeignet als andere Formate.
Adäquate Itempolung
Durch häufigeren Wechsel der Polung der Items oder Fragen können vor allen formale Antworttendenzen vermieden werden.
Kontrollitems
Um Antwottendenzen zu kontrollieren, werden einige Items einmal positiv und einmal negativ formuliert vorgegeben. Unstimmige Antworten sollen auf Antworttendenzen hinweisen. Die Erfahrung lehrt aber, dass es Befragte sehr demotiviert, wenn sie das selbe Item negativ formuliert, noch einmal beantworten sollen. Derartigen Kontrollitems können über die Demotivation erst recht zu Antworttendenzen führen.
Kontrollskalen
Vor allem zur Kontrolle der Tendenz, sozial erwünscht zu antworten, werden Items entspechender Skalen zwischen die eigentlichen Fragebogenitems gestreut.
siehe auch:
- > Unverfälschbarkeit
Literatur:
Rost, J. (1996). Lehrbuch Testtheorie, Testkonstruktion. Bern: Huber.
Mummendey, H.D. (1995). Die Fragebogen-Methode. Göttingen: Hogrefe.
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so dass Antworttendenzen so weit wie möglich ausgeschlossen werden.
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